WIEDERGEBOREN
“Ich weiß nichts als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten” (1. Kor 2,2)

Prof. Dr. Werner Gitt

Auszüge aus dem Buch: „Fragen, die immer wieder gestellt werden“

16. Auflage

Prof. Dr. W. Gitt gibt Antworten, die aus der Evangelisationspraxis, aus Gesprächen mit fragenden Menschen und aus dem Studium der Schrift erwachsen sind. Die Fragen sind nicht »am grünen Tisch« entworfen, sondern wurden wirklich gestellt. Von daher handelt es sich nicht um theologische Spitzfindigkeiten, sondern um Probleme, die Zweifler, Fragende und Suchende wirklich bewegen. Der Autor behandelt dabei folgende Themen: Gott – Bibel – Schöpfung, Wissenschaft und Glaube – das Heil – die Religionen – Leben und Glauben – Tod und Ewigkeit. Ein hilfreiches Buch zur Gesprächsführung mit Christen und Außenstehenden. Zur Weitergabe an fragende und suchende Menschen bestens geeignet.

Taschenbuch 192 Seiten      ISBN: 978-3-89397-127-5

Prof. Dr.-Ing. Werner Gitt, 1937 in Raineck/Ostpr. geboren. Von 1963 bis 1968 absolvierte er ein Ingenieurstudium an der Technischen Hochschule Hannover, das er als Dipl.-Ing. abschloss. Von 1968 bis 1971 war er Assistent am Institut für Regelungstechnik an der Technischen Hochschule Aachen. Nach zweijähriger Forschungsarbeit promovierte er zum Dr.-Ing. Von 1971 bis 2002 leitete er den Fachbereich Informationstechnologie bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. 1978 wurde er zum Direktor und Professor bei der PTB ernannt. Er hat sich mit wissenschaftlichen Fragestellungen aus den Bereichen Informatik, numerische Mathematik und Regelungstechnik beschäftigt und die Ergebnisse in zahlreichen wissenschaftlichen Originalarbeiten publiziert. Seit 1966 ist er mit seiner Frau Marion verheiratet. Im September 1967 wurde Carsten und im April 1969 Rona geboren.

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Sie reden hier so zu uns, als hätte Gott selbst Sie hierher geschickt. Wie kommen Sie dazu? (während eines Vortrags)

Ich freue mich, dass Sie diese Frage so herausfordernd gestellt haben, denn es ist gut, wenn wir auch hierüber Re­chenschaft ablegen. Sie werden Ihr Leben lang vergeblich warten, wenn Sie die Evangeliumsbotschaft durch einen En­gel vorn Himmel verkündigt haben wollen. Das Heil hat Gott selbst in Jesus Christus erwirkt; die Verkündigung aber hat er Menschen anvertraut. Es ist der Wille Gottes, dass Jün­ger Jesu die Aufgabe wahrnehmen, auch andere Menschen zu Jüngern zu machen und sie biblisch zu unterweisen (Matthäus 28, 19-20). So dürfen wir im Namen des Herrn, der Him­mel und Erde gemacht hat, auftreten, „denn wir sind Got­tes Mitarbeiter" (1. Korinther 3, 9). Zu dieser Mitarbeit sind alle an Jesus Christus Gläubigen aufgerufen, und wir werden eines Tages danach beurteilt werden, was wir mit diesem anvertrauten Evangelium erwirkt haben (Lukas 19, 11-27). Der höchste im Ausland akkreditierte Vertreter einer Regierung ist der Botschafter. Er ist bevollmächtigt, beglaubigt und gesandt, um vollgültig im Namen seiner Regierung aufzu­treten. Nicht weniger als in diesen hohen Stand eines Bot­schafters hat uns der Sohn Gottes bei der Evangeliumsver­kündigung gestellt, denn im Neuen Testament heißt es ausdrücklich: „So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott vermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott!" (2. Korinther 5, 20). Jesus sagt in Lukas 10, 16: „Wer euch hört, der hört mich." Unse­re Legitimation ist also keine selbst ernannte, sondern eine von Gott autorisierte.

 

Beten wir, d. h. die Christen und die Moslems, nicht alle zu ein und demselben Gott?

(Frage eines Moslem)

 

„Darf ich eine Gegenfrage stellen: Ist Ihr Gott Allah der Vater Jesu Christi?“ – „Nein, Allah hat keinen Sohn. Das wäre ja eine Gotteslästerung!“ – „Sehen Sie, dann sind auch Ihr Gott und mein Gott nicht derselbe Gott.“ Angesichts der vielen Religionen drängt sich auch vielen anderen die tolerante Frage auf, ob sie nicht letztlich alle ein und denselben Gott verehren. Schon zu alttestamentlicher Zeit bezeugt sich der Gott der Bibel als der einzige: „Ich bin der Erste, und ich bin der Letzte, und außer mir ist kein Gott“ (Jesaja 44, 6); „Ich, ich bin der Herr, und außer mir ist kein Heiland“ (Jesaja 43, 11). Dieser lebendige Gott ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs (Matthäus 22, 32); er ist der Vater Jesu Christi (Markus 14, 36a). Auf folgende Unterschiede zwischen Allah und dem Vater Jesu Christi ist hier zu verweisen:

 

  1. Das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen: Im Islam offenbart sich Gott überhaupt nicht. Er bleibt in unerreichbarer Ferne. Der ständige Ruf „Allahu akbar“ – Gott ist der immer noch Größere – manifestiert: Man kann in kein persönliches Verhältnis zu ihm treten. Allah bleibt immer jenseitig, wie ein orientalischer Herrscher hoch über seinen Untertanen thronend.

 

  1. Vater-Kind-Beziehung: Für den Muslim sind Begriffe wie die Gotteskindschaft des Menschen und das Vatersein Gottes („Abba, lieber Vater“, Römer 8, 15) nicht nur unverständlich, sondern sogar gotteslästerlich, denn Allah ist von dieser Welt strikt getrennt.

 

  1. Gott als Mensch: Das zentrale Ereignis der biblischen Heilsgeschichte ist die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. Gott wandelte nicht nur unter uns, er durchlitt alle Sünde bis zum Tode am Kreuz. Die daraus folgende Erlösung des Menschen ist für den Islam nicht nachvollziehbar.

 

  1. Gottes Barmherzigkeit und Liebe: Wenn Gott gegenüber dem Sünder barmherzig sein kann, dann ist der Preis dafür unvorstellbar groß: „Ja, mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden und hast mir Mühe gemacht mit deinen Missetaten“ (Jesaja 43, 24). Gott ist barmherzig zu uns, weil er uns teuer erkauft hat (1. Korinther 6, 20; 1. Petrus 1, 19). Die Barmherzigkeit Allahs kostet nichts; sie ist willkürlich.

 

  1. Gott ist unsere Zuversicht: Undenkbar ist im Islam ein Gott, der uns Zuflucht, Geborgenheit, Frieden und Heilsgewissheit schenkt: „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben… uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn“ (Römer 8, 39). Undenkbar sind im Islam die Selbsterniedrigung Gottes bis zum Kreuz und der Heilige Geist, der ausgegossen ist in unsere Herzen, undenkbar auch die Wiederkunft Jesu in Macht und Herrlichkeit.

 

Der Gott des Koran und der Gott der Bibel mögen hier und da verbale Ähnlichkeiten zeigen. Bei näherem Hinschauen gibt es keine Gemeinsamkeiten zwischen ihnen. Darum ist es auch nicht derselbe Gott, zu dem Moslems und Christen beten.

 

 Das Wesen der Religionen

 

Aus den Werken der Schöpfung kann jedermann auf den notwendigen Schöpfer schließen (Römer 1, 19-21). Seit dem Sündenfall weist das Gewissen auf den von Gott getrennten Zustand und das schuldhafte Verhalten des Menschen hin: „Denn sie (= die Heiden) beweisen, des Gesetzes Werk sei geschrieben in ihren Herzen, da ja ihr Gewissen es ihnen bezeugt, dazu auch die Gedanken, die sich untereinander verklagen oder auch entschuldigen“ (Römer 2, 15). In eigenem Denken und Wollen haben alle Völker die Rückbindung an Gott gesucht und entwickelten dabei die unterschiedlichsten Religionen. Das Wort Religion stammt von dem lateinischen religio (= Gewissenhaftigkeit, Gottesfurcht), das sich wohl von dem Verb religiare (= an-, zurückbinden) herleitet. Diese Anbindung wird im wesentlichen durch zwei alle Religionen kennzeichnende Charakteristika versucht: durch mancherlei menschlich ersonnene Vorschriften (z. B. Opferriten) und durch für wichtig erachtete Gegenstände (z. B. Buddhafiguren, Gebetsmühlen, die Kaaba in Mekka). Als Religion bezeichnen wir im folgenden alle menschlichen Anstrengungen, zu Gott zu kommen. Beim Evangelium hingegen ist es umgekehrt: Gott selbst handelt und kommt auf den Menschen zu. In Konsequenz dazu bezeichnen wir den biblischen Weg nicht als Religion (ausführlicher in [G3] behandelt).

 

 Es gibt so viele Religionen. Diese können doch nicht alle falsch sein. Ist es nicht vermessen, wenn das Christentum behauptet, der einzige Weg zum ewigen Leben zu sein?

 

Keine Religion rettet, auch nicht die christliche, wenn sie sich als Religion gebärdet. Es gibt nur einen Gott, nämlich den, der Himmel und Erde gemacht hat. Nur die Bibel berichtet von diesem Gott. Nur er kann uns darum verbindlich sagen, was zu unserer Rettung dient. Wäre irgendeine Religion in der Lage, uns vor der ewigen Verlorenheit retten zu können, so hätte Gott uns diese genannt. Der Kreuzestod Jesu wäre dann nicht erforderlich gewesen. Da aber das Opfer von Golgatha erbracht wurde, war es zur Rettung unbedingt nötig. Somit gibt uns das Kreuz Jesu den eindeutigen Hinweis, dass es keine billigere Methode gab, um die Sünde vor dem heiligen Gott zu tilgen. Im Kreuzestod Jesu hat Gott unsere Sünde gerichtet, so dass uns nun allein die persönliche Hinwendung zu Jesus Christus und die Übergabe unseres Lebens an ihn retten. In allen Religionen muss sich der Mensch durch eigene Anstrengung selbst erlösen; nach dem Evangelium hat Gott alles durch seinen eigenen Sohn getan, und der Mensch nimmt das Heil nur noch im Glauben in Empfang. Darum heißt es in Apostelgeschichte 4, 12 auch so ausschließlich: „In keinem andern ist das Heil, ist auch kein anderer Name (außer Jesus) unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden.“ Außer Jesus gibt es keine andere Brücke in den Himmel! Alle Religionen sind nur glitzernde Fata Morganen in der Wüste einer verlorenen Menschheit. Einem Verdurstenden hilft kein Wahnbild einer Wasserquelle. Ebenso bringt die Toleranzidee gegenüber allen Phantasiegebilden den Menschen letztlich zu Tode (Sprüche 14, 12). Er braucht frisches Wasser. Die Bibel zeigt mit großer Eindeutigkeit auf die einzige reale Oase, auf die einzige Überlebenschance, auf Jesus Christus: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich“ (Johannes 14, 6). „Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“ (1. Korinther 3, 11). „Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht“ (1. Johannes 5, 12).

 

  Woran kann ich erkennen, dass das Evangelium keine Religion, sondern göttlichen Ursprungs ist?

 

Schon einige markante Unterschiede zwischen den Religionen und dem Evangelium können uns in der Wahrheitsfrage weiterhelfen:

 

  1. In allen Religionen versucht der Mensch von sich aus Gott zu erreichen, aber kein Sucher kann echt bezeugen: „Ich habe eine persönliche Beziehung zu Gott gefunden, ich habe Frieden im Herzen, meine Schuld ist vergeben, ich habe die Gewissheit des ewigen Lebens.“ Im Evangelium von Jesus Christus wendet sich Gott zu uns. Er überbrückt mit dem Kreuz die Kluft der Sünde und schenkt uns Erlösung. Wer dies annimmt, kann bezeugen: „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben… kann uns scheiden von der Liebe Gottes“ (Römer 8, 38-39).

 

  1. Die prophetischen Ankündigungen des Heilsbringers im AT (z.B. 1. Mose 3, 15; 4. Mose 24, 17; Jesaja 11, 1-2; Jesaja 7, 14) erfüllen sich wortwörtlich. In keiner Religion gibt es derartige Prophetien mit Ankündigung und Erfüllung.

 

  1. Gott hat alle Religionen als Götzendienst und Zauberei (1. Korinther 6, 9-10; Galater 5, 19-21; Offenbarung 21, 8) verurteilt. Keine der vielen Religionen hat rettenden Charakter (Galater 5, 19-21). Würde es eine solche geben, die retten könnte, dann hätte Jesus uns diese empfohlen, und er hätte nicht den bitteren Kreuzestod sterben müssen. Der Sohn Gottes aber ging ans Kreuz, um die einzige Rettungsmöglichkeit zu erwirken. Darum sagte er in Konsequenz: „Geht hinaus in alle Welt und verkündigt es allen Menschen!“

 

  1. Gott beglaubigte das Opfer Jesu Christi durch seine Auferstehung von den Toten (Römer 4, 24-25). Es ist das einzige bleibend leere Grab der Weltgeschichte: „Was suchet ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier; er ist auferstanden“ (Lukas 24, 5-6). Alle Religionsgründer sind gestorben und im Tod geblieben. Nur Jesus konnte sagen: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben“ (Johannes 14, 19).

 

  1. In allen Religionen versucht der Mensch, sich durch seine Handlungen zu erlösen. Das Evangelium hingegen ist die Tat Gottes (Jesaja 43, 24b; Johannes 3, 16). Zum Erlösungswerk auf Golgatha kann der Mensch nichts beitragen: Wir sind teuer erkauft (1. Korinther 6, 20).

 

  1. Die Religionen gehen von einem falschen Menschenbild aus und zeichnen ebenso ein falsches Gottesbild. Nur die Bibel sagt uns, wer wir sind, und wer Gott ist. Aus uns selbst sind wir nicht in der Lage, uns so zu verändern, dass es Gott gefallen könnte, denn „wir mangeln des Ruhmes, den wir bei Gott haben sollten“ (Römer 3, 23).

 

  1. In keiner Religion verlässt Gott den Himmel, um den Menschen zu erretten. In Jesus wurde Gott Mensch: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“ (Johannes 1, 14).

 

Jesus Christus ist darum nicht eine Alternative zur Religion. Er ist ihre Absage und Verwerfung. Er ist der einzige Weg nach Hause – zum Vaterhaus Gottes (Johannes 14, 6). 

 

 Die Bibel ist doch von Menschen aufgeschrieben worden, darum ist alles relativ zu sehen. Wie können Sie sagen, dass sie von Gott ist und dass alles wahr ist?

 

Wir wollen hier die Frage nach der biblischen Wahrheit an einem ausgewählten Beispiel zeigen, das den Vorteil hat, mathematisch nachvollziehbar zu sein. Die Bibel enthält 6408 Verse mit prophetischen Angaben, von denen sich 3268 bisher so erfüllt haben, während die restlichen Prophetien noch zukünftige Ereignisse betreffen. Keine Voraussage ist verändert eingetroffen. Das gibt es in keinem anderen Buch der Weltgeschichte. Hier haben wir einen – auch mathematisch ausdrückbaren – Wahrheitsgehalt vor uns, der nirgends seinesgleichen hat. Wir wollen nun die Frage stellen, ob es möglich ist, dass sich so viele Prophetien zufällig erfüllen können, d. h., ob ihr Eintreffen ohne das Wirken Gottes erklärbar ist. Dazu werden wir uns nun der Wahrscheinlichkeitsrechnung bedienen. In dem folgenden Berechnungsmodell wird nicht berücksichtigt, dass manchmal mehrere Verse der Bibel dazu dienen, eine einzige Prophetie zu beschreiben und zum anderen ein Vers auch mehrere Prophetien enthalten kann. Ebenso geht der Tatbestand, dass manche prophetische Aussage mehrfach erwähnt wird, nicht in die Rechnung ein. Diese Modellvereinfachung wird jedoch durch den folgenden Ansatz für die Grundwahrscheinlichkeit bei weitem ausgeglichen. Nimmt man die sehr hohe Grundwahrscheinlichkeit von p = 0,5 für die zufällige Erfüllung einer Einzelprophetie an, so lässt sich die Gesamtwahrscheinlichkeit w für die 3268 bisher erfüllten Prophetien mathematisch exakt errechnen.

 

Diese beträgt w = 23268  = 1,714 · 10984.

 

Die prophetischen Aussagen sind derart, dass das Eintreten des jeweilig beschriebenen Ereignisses mathematisch mit 1 : 1000 bis 1 zu mehreren Millionen anzusetzen wäre. Mit dem Ansatz 1 : 2 (= 0,5) liegen wir damit auf der absolut sicheren Seite. Zum Zahlenvergleich für w wollen wir einige ausgedachte Lottosysteme betrachten. Wenn die Wahrscheinlichkeit für einen Volltreffer im kommerziellen Zahlenlotto „6 aus 49“ – d. h. aus 49 Feldern mit fortlaufender Nummerierung – etwa 1 : 14 Millionen beträgt, so wollen wir die Frage stellen: Auf wie viel Felder dürfte ein zweiter Lottoschein erweitert werden, bei dem ebenfalls 6 richtige Zahlen für einen Volltreffer zu benennen sind, um gerade auf jene Wahrscheinlichkeit zu kommen, die sich für die zufällige Erfüllung von 3268 Prophetien ergäbe? Was würden wir schätzen?

 

a)     die Größe einer Tischtennisplatte? Auf einer Fläche von A = 1,525 · 2,74 m2 = 4,1785 m2 sind L = 167 140 Einzelfelder von der Größe, wie sie auf einem handelsüblichen Lottoschein anzutreffen sind, möglich.

b)     die Größe eines Fußballfeldes? Bei A = 7350 m2 sind L = 459 375 000 Einzelfelder möglich.

c)      oder gar die Oberfläche der gesamten Erdkugel? Bei A = 510 Mill. km2 sind L = 31,3653 · 1018 Felder möglich, wobei 1018 eine Trillion oder eine Million Billiarden bedeutet. Rechnet man die Wahrscheinlichkeiten aus, um bei L durchnummerierten Feldern sechs Richtige zu ziehen, so ergeben sich für die obigen Flächen folgende Werte:

 

a)      w = 1 : 0,4 · 1030  (bzw. 2,5 · 1030 )

b)      w = 1 : 1,3 · 1049  (bzw. 7,69 · 1050 )

c)      w = 1 : 1,3 · 10114 (bzw. 7,69 · 10115 )

 

Wir sehen anhand der Zahlen für w, dass die Vergleiche a) bis c) völlig unzureichend sind. Das mathematische Ergebnis für die Felderzahl ist geradezu atemberaubend! Wir müssten zu ihrem Größenvergleich die Gesamtzahl aller Atome des Universums zu Hilfe nehmen, und diese ist mit 1080 selbst nicht mehr vorstellbar. Es ist eine 1 mit 80 Nullen oder die Zahl 10 Milliarden achtmal mit sich selbst multipliziert. Auf die errechnete transastronomische Zahl von 2,74 · 10164 Feldern jenes Superlottoscheins kommt man allerdings erst durch einen weiteren, unsere Vorstellungen noch einmal übersteigenden Vergleich: Stellt man sich so viele Universen gleicher Größe vor wie unser Universum Atome hat, dann ist die Gesamtzahl der Atome aller dieser gedachten Universen immer noch um den Faktor 27 400 kleiner als der benötigte Lottoschein Felder haben dürfte [G1, 139]. Nach den obigen Betrachtungen können wir nur eine vertretbare Konsequenz ziehen: Die Prophetien sind göttlicher Art, sie können von keinem Menschen stammen. So führen uns die Berechnungen zu einem Ergebnis, das Jesus in dem bekannten Gebet zum Vater (oft fälschlicherweise als „Hohepriesterliches Gebet“ bezeichnet, obwohl es sich hier nicht um einen hohepriesterlichen Dienst, d. h. Sühnung der Sünden des Volkes, handelt) auf die knappe Formel bringt: „Dein Wort ist die Wahrheit!“ (Johannes 17, 17). Die Bibel kann somit nicht von menschlicher Herkunft sein, sondern es gilt: „alle Schrift ist von Gott eingegeben“ (2. Timotheus 3, 16). Gott benutzte auserwählte Menschen, denen er die für uns wichtige Information gab, damit sie diese – ohne dabei ihre Person, ihr Wesen und ihre Empfindungen auszuklammern – für uns aufschrieben. Weiteres zu dieser Frage ist in drei Unterkapiteln im Anhang „Basissätze zur Bibel“ zu finden:

 

I.1 Zu ihrer Herkunft;

I.2 Zu ihrem Wahrheitsgehalt;

I.3 Zur Prüfung ihrer Wahrheit. 

 

 

 In der Bibel ist von der Erwählung des Menschen durch Gott die Rede. Haben wir dann noch einen freien Willen, wenn Entscheidungen über Rettung oder Verlorensein längst gefallen sind?

 

Vor allem von Augustinus und Calvin ist die sog. Prädestinationslehre (lat. praedestinatio = Vorherbestimmung) vertreten worden. Es ist eine Lehre, die von der göttlichen Vorherbestimmung ausgeht, dass die Menschen entweder zum Glauben oder zum Unglauben, zum Heil oder zum Verderben vorgesehen sind. Wegen dieser zweifachen Möglichkeit spricht man von der „doppelten Prädestination“. Diesen Gedanken gilt es, an der Bibel zu prüfen. In den Antworten zu den vorangegangenen Fragen wurde besonders die Freiheit des Menschen bezüglich seiner Entscheidung herausgestellt. Dabei könnte der Eindruck entstehen, als sei der Mensch der allein Handelnde und Gott würde sich dabei völlig passiv verhalten. Das aber ist dem biblischen Zeugnis nicht angemessen. In Römer 9, 16+18 lesen wir: „So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen. So erbarmt er sich nun, wessen er will, und verstockt, welchen er will.“ Hier liegt die Betonung eindeutig im Handeln Gottes. Der Mensch befindet sich ebenso in der aktiven und frei gestaltenden Hand des Schöpfers wie der Ton in des Töpfers formender Hand: „Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Spricht auch ein Werk zu seinem Meister: Warum machst du mich so? Hat nicht ein Töpfer Macht, aus einem Klumpen zu machen ein Gefäß zu Ehren und das andere zu Unehren?“ (Römer 9, 20-21). Wir haben somit keinerlei Anspruch auf das Heil. Die freie Entscheidung des Menschen ist immer gepaart mit der freien Erwählung durch Gott. Der Gedanke der Erwählung wird insbesondere durch die folgenden Bibelstellen belegt:

 

  • Matthäus 22, 14: „Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.“
  • Johannes 6, 64-65: „Aber es sind etliche unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wusste von Anfang wohl, wer die waren, die nicht glaubten und wer ihn verraten würde. Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn von  meinem Vater gegeben.“
  • Epheser 1, 4-5: „Denn in ihm (= Jesus) hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir sollten heilig und unsträflich sein vor ihm; in seiner Liebe hat er uns dazu verordnet, dass wir seine Kinder seien.“
  • Römer 8, 29-30: „Denn welche er zuvor ersehen hat, die hat er auch verordnet, dass sie gleich sein sollten dem Ebenbilde seines Sohnes. Welche er aber verordnet hat, die hat er auch berufen; welche er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; welche er aber hat gerecht gemacht, die hat er auch herrlich gemacht.“
  • Apostelgeschichte 13, 48: „Da das die Heiden hörten, wurden sie froh und priesen das Wort des Herrn und wurden gläubig, wie viel ihrer zum ewigen Leben verordnet waren.“

 

Bezüglich des biblischen Verständnisses von der Erwählung sind folgende Aspekte von grundlegender Bedeutung:

 

  1. Zeitpunkt: Die Erwählung geschieht in einem weiten zeitlichen Rückgriff, der in jedem Falle vor unserer Existenz liegt: Vor Grundlegung der Welt (Epheser 1, 4), vor der Zeugung (Jeremia 1, 5) und von Anfang an (2. Thessalonicher 2, 13).

 

  1. Dienst: Die Erwählung beinhaltet stets den Dienst für Gott. So erwählt Gott z. B. Salomo, um den Tempel zu bauen (1. Chronik 28,10), den Stamm Levi zum priesterlichen Dienst (5. Mose 18, 5); Jesus erwählt die Jünger zum Apostelamt (Lukas 6, 13; Apostelgeschichte 1, 2), Paulus wird das „auserwählte Rüstzeug“ zur Heidenmission (Apostelgeschichte 9, 15), und alle Gläubigen sind dazu erwählt, Frucht zu bringen (Johannes 15, 16).

 

  1. Ohne Ansehen der Person: Die Erwählung geschieht nicht nach menschlichen Verdiensten oder Maßstäben. Vielmehr sieht Gott auf das Geringe: Israel ist das kleinste Volk (5. Mose 7, 7), Mose ist nicht redegewandt (2. Mose 4, 10), Jeremia hält sich noch für zu jung (Jeremia 1, 6), und zur Gemeinde Jesu gehören meist die Unbedeutenden dieser Welt (1. Korinther 1, 27-28).

 

  1. Zum Heil, aber nicht zum Unheil: Woran ist Gott gelegen – an unserem Heil oder Unheil? Seine Absicht teilt uns Gott eindeutig mit: „Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen“ (Hesekiel 34, 12). Jesus fasst den Grund seines Kommens in diese Welt in den Satz: „Des Menschen Sohn ist gekommen, selig zu machen, was verloren ist“ (Matthäus 18, 11). Gott macht sich in Jesus selbst auf die Suche, um Menschen für das ewige Leben zu gewinnen. Der Wille Gottes zur Errettung ist auf die gesamte Menschheit gerichtet: „Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1. Timotheus 2, 4). Dieser Wille Gottes ist auch in 1. Thessalonicher 5, 9 offenbart: „Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, das Heil zu erlangen.“ Es wird deutlich: Zwischen Errettung und Erwählung  finden wir in der Schrift einen festen, untrennbaren Zusammenhang, hingegen gibt es zwischen Verdammnis und  Erwählung keine solche Kopplung. Gott erwählt also niemand zur Verlorenheit. So verhärtet Gott das Herz des Pharao erst aufgrund seiner beharrlichen heidnischen Haltung, keineswegs war er vor seiner Geburt dazu vorherbestimmt. Dass es ein „Zu spät“ gibt, bezeugt die Bibel immer wieder, aber eine Vorherbestimmung zur Hölle lehrt die Bibel nirgends. Herodes hatte mit der Hinrichtung Johannes des Täufers den Bogen seines Hörvermögens überspannt, so dass Jesus ihm nicht mehr antwortete (Lukas 23, 9).

 

Halten wir fest: Es gilt beides (komplementäre Aussage!): Gott erwählt Menschen zum Heil. Der Mensch wird jedoch in die Verantwortung gestellt, das Heil für sich in Anspruch zu nehmen. Als der verlorene Sohn den Entschluss ausführte „Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen“ (Lukas 15, 18), lief der Vater ihm entgegen, um ihn anzunehmen (Lukas 15, 20). Wenn wir die Errettung in freier Entscheidung annehmen, wird an uns Gottes Verheißung wahr: Ich habe dich je und je geliebt (Jeremia 31, 3), und ich habe dich bereits erwählt vor Grundlegung der Welt (Epheser 1, 4). Ehe wir uns für Gott entscheiden, hat er sich schon längst vor unserer Zeit für uns entschieden. Gott erwartet und respektiert unsere Willensentscheidung; aber ohne sein Erbarmen wäre keine Annahme möglich (Römer 9, 16). Bei wie vielen Menschen die göttliche Erwählung (Philipper 2, 13) und der freie menschliche Wille (Philipper 2, 12) zusammenwirken, weiß nur der Herr.

 

 

Gibt es heute noch neue Botschaften als Ergänzung zur Bibel? Ist Gott nicht größer als die Schrift, um direkt zu jemandem zu reden?

 

Wir müssen zwei Redeweisen Gottes unterscheiden: die für alle Menschen in gleichem Maße gültige Bibel und die individuelle Führung Gottes im Leben des einzelnen.

 

  1. Ergänzungen zur Bibel? Parallel mit der Entstehung der biblischen Schriften durch von Gott berufene und von ihm autorisierte Männer (z. B. Jeremia 1, 5; Galater 1, 12) treten auch falsche Propheten mit eigenmächtigen Botschaften auf. Auf die auch uns bewegende Frage „Wie kann ich merken, welches Wort der Herr nicht geredet hat?“ (5. Mose 18, 21) gibt Gott als Antwort ein entscheidendes Kriterium zur Prüfung der Wahrheit: „Wenn der Prophet redet in dem Namen des Herrn, und es wird nichts daraus und es kommt nicht; das ist das Wort, das der Herr nicht geredet hat; der Prophet hat’s aus Vermessenheit geredet“ (5. Mose 18, 22). Auch in der Bergpredigt warnt Jesus vor den falschen Propheten und nennt uns ebenso die Kennzeichen ihrer Identifizierung: „Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln?“ (Matthäus 7, 15-16). Der Apostel Johannes weist nicht minder eindringlich auf die Gefahr hin: „Viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen. Wer weitergeht und bleibt nicht in der Lehre Christi, der hat Gott nicht“ (2. Johannes 7+9). Nur die Bibel ist von Gott offenbart. Im Letzten hat Gott durch seinen Sohn geredet (Hebräer 1, 1), und es wird nun keine zusätzlichen Offenbarungen mehr geben (Offenbarung 22, 18). Dem Wort der Bibel ist danach nichts mehr hinzuzufügen. Schon Petrus warnt zu seiner Zeit vor „verderblichen Sekten“ (2. Petrus 2, 1), die mit eigenen Lehren die Menschen zur Verdammnis führen. Die Zutaten und Entstellungen der Bibel von Joseph Smith (Buch Mormon der Mormonen) Jakob Lorbeer (Freunde der Neuoffenbarung), Ch. T. Russel (Jehovas Zeugen), M. Baker Eddy (Christliche Wissenschaft) u.a. sind keine göttlichen Botschaften, sondern bedauerliche Irrwege falscher Lehrer und Verführer. Gott gibt keine zusätzlichen Offenbarungen, sondern nur neues Licht über das, was er uns schon längst im AT und NT mitgeteilt hat. So bleibt die Bibel die einzige verbindliche Informationsquelle und die alleinige Messlatte, an der alles zu prüfen ist. Auch Zitate heutiger Zeitgenossen mit der einleitenden Autorisierungsformel „Der Herr hat mir gesagt…“ bedürfen wegen des oben Dargelegten einer strengen Prüfung.

 

  1. Individuelle Führung Gottes: Oft wünschten wir uns ein direktes Reden Gottes in einer bestimmten Situation. Gott könnte es tun, aber es ist nicht seine Methode. Martin Luther, John Wesley, Hudson Taylor oder Billy Graham waren bzw. sind bedeutende Gottesmänner und haben Außergewöhnliches ausgerichtet. Sie haben sich auf Gottes Wort berufen und empfingen von dort Impulse ihres segensreichen Wirkens. Unser Gebet „Weise mir, Herr, deinen Weg“ (Psalm 86, 11) erbittet Gottes Handeln in unserem Leben. Das ist erfahrbar und erst im Nachhinein eindeutig als Wirken Gottes erkennbar, aber es geschieht lautlos ohne hörbare Stimme Gottes. 

 

 

 Dürfen unverheiratete Paare nach der Bibel zusammenleben? Ab wann ist ein Paar verheiratet: Nach der Entscheidung des Paares, zusammenbleiben zu wollen? Nach dem ersten Intimverkehr? Nach der standesamtlichen oder kirchlichen Trauung?

 

Zur Klärung dieser in unserer Zeit immer brennender werdenden Fragen sollen fünf Punkte biblischer Leitlinien vorangestellt werden. Wir wenden hier einen biblischen Auslegungsgrundsatz an, bei dem die Problemlösung nicht auf einen einzigen Vers zu fixieren ist, sondern sich erst im Kontext mehrerer Grundaussagen ergibt (siehe Auslegungsgrundsätze A5 und A6 im Anhang, Teil II):

 

  1. Ehe und Geschlechtlichkeit: Gott hat in seiner Schöpfungsordnung die Ehe gestiftet. Sie ist sein Wille und seine gute Idee: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei“ (1. Mose 2, 18). Sie ist als lebenslängliche Gemeinschaft angelegt (Matthäus 19, 6), die darum nach der Trauformel solange gilt „bis dass der Tod euch scheide“. Beim Einsetzen dieser von Gott gestifteten Gemeinschaft von Mann und Frau hatte der Schöpfer gesagt: „Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hangen, und sie werden ein Fleisch sein“ (1. Mose 2, 24). Das „Ein-Fleisch-Sein“ meint zunächst die leibliche, geschlechtliche Gemeinschaft. Diese Kurzformel umfasst jedoch den ganzen Menschen und somit auch Seele und Geist. Zwei Menschen mit unterschiedlichen bisherigen Lebenswegen finden zu der innigsten Gemeinschaft, die es gibt. Sie werden eins in ihrem Empfinden und Denken sowie in geistlicher und leiblicher Beziehung. Die Geschlechtlichkeit ist ein Geschenk Gottes, und der eheliche Verkehr dient nach biblischer Sicht nicht nur zum Kinderzeugen: „Entzieht euch einander nicht, höchstens auf Grund beiderseitigen Einverständnisses für eine bestimmte Zeit, um euch ungestört dem Gebet zu widmen“ (1. Korinther 7, 5; Menge). „Dein Brunnquell möge gesegnet sein, dass du an der Frau deiner Jugend dich erfreuest! Das liebreizende Reh, die anmutige Gazelle – ihr Busen möge dich allezeit ergötzen, in ihrer Liebe sei immerdar trunken!“ (Sprüche 5, 18-19; Menge). „Genieße das Leben mit deiner Frau, die du liebgewonnen hast“ (Prediger 9, 9; Menge). Die Bibel zeigt uns den rechten Umgang mit der Sexualität. Sie grenzt sich ab sowohl von Prüderie (Hoheslied 4) als auch von Wollust (Jeremia 5, 8); Liebe und Achtung sind die bestimmenden Randbedingungen (Kolosser 3, 19; 1. Petrus 3, 7).

 

  1. Ehe und Gemeinde als Stiftung Gottes: In dieser Welt gibt es viele Formen der menschlichen Gemeinschaft, von denen Ehe und Familie, Gemeinde und Staat (Römer 13, 1-7) nach dem Willen Gottes sind. Die Gemeinde Jesu Christi und die Ehe aber sind zwei besondere Stiftungen Gottes und damit entgegen mancherlei Meinung keineswegs menschliche Erfindungen: Beide Gemeinschaften sind darum in einer gottlosen Welt angefochten (1. Timotheus 4, 3; Offenbarung 2, 9). Seit der Schöpfung gibt es keine menschliche Kultur ohne Ehe. Sie hat sich nie überholt und wird trotz ehefeindlicher Zeitströmungen und trotz menschlichen Fehlverhaltens alle Zeiten überdauern, weil sie in der Fürsorge Gottes für den Menschen begründet liegt. Ebenso wird die Gemeinde nach der Verheißung Jesu selbst von den Pforten der Hölle niemals überwältigt werden können (Matthäus 16, 18).

 

  1. Die Ehe als Gleichnis: Die Bibel umschreibt oft den Glauben und die Beziehung zwischen Gott und Mensch mit dem innigsten Vertrauensverhältnis, das zwischen Menschen denkbar ist, mit der Ehe. „Denn wie ein Mann eine Frau lieb hat,… und wie sich ein Bräutigam freut über die Braut, so wird sich dein Gott über dich freuen“ (Jesaja 62, 5). Darum wird auch die Ehe als Gleichnis (griech. mystaerion = Geheimnis) für das Verhältnis Christi zu seiner Gemeinde gewählt: „…gleichwie auch Christus geliebt hat die Gemeinde und hat sich selbst für sie gegeben,… so sollen auch die Männer ihre Frauen lieben“ (Epheser 5, 25+28). Von dieser Analogie sagt uns Gottes Wort: „Dieses Geheimnis ist groß!“ (Epheser 5, 32). Schon aus dem Gleichnischarakter der Ehe für die ewige Gemeinschaft mit Christus ist ableitbar, dass Ehe eine Gemeinschaft auf die ganze Lebenszeit ist. Jede geschiedene Ehe produziert ein Zerrbild der Vorstellungen Gottes und zerstört das Gleichnishafte. So wird auch Jesu kompromisslose Haltung in der Scheidungsfrage einsichtig (Matthäus 19, 6-9).

 

  1. Die Hurerei als Gleichnis: Wenn eine in Liebe und Treue geführte Ehe als Bild für das Verhältnis Gottes zu seinem Volk steht, so bezeichnet die Bibel in Konsequenz den Abfall von Gott und die Anbetung fremder Götter und Götzen als Ehebruch oder Hurerei: „Hast du auch gesehen, was Israel, die Abtrünnige, tut? Sie ging hin auf alle hohen Berge und unter alle grünen Bäume und trieb daselbst Hurerei. Und von dem Geschrei ihrer Hurerei ist das Land verunreinigt; denn sie treibt Ehebruch mit Stein und Holz“ (Jeremia 3, 6+9). „Denn ich habe gesehen deine Ehebrecherei, deine Geilheit, deine freche Hurerei, ja deine Greuel auf Hügeln und auf Äckern“ (Jeremia 13, 27).

 

  1. Was ist Hurerei? Für die beiden deutschen Wörter Hurerei und Unzucht gibt es in der Sprache des NT nur einen Ausdruck (griech. porneia), den wir in dem Wort Pornographie wiederfinden. Das Wort „Unzüchtiger“ (griech. pornos) wird im NT einerseits neben Ehebrechern und Homosexuellen gebraucht (z. B. 1. Korinther 6, 9) andererseits aber auch als Oberbegriff für jede Befriedigung des Geschlechtstriebes außerhalb der von Gott gesetzten Ehegemeinschaft (z. B. 1. Korinther 6, 18; 1. Thessalonicher 4, 3). Hierzu gehören

 

    • voreheliche sexuelle Gemeinschaft (5. Mose 22, 28)
    • Intimgemeinschaft mit einer anderen Frau als der Ehefrau (3. Mose 18, 20; Jeremia 5, 8-9; Matthäus 5, 32)
    • Homosexualität (1. Mose 19, 5; Römer 1, 26-27; 1. Timotheus 1, 10)
    • Blutschande (1. Korinther 5, 1)
    • Vergehen mit dem Vieh (3. Mose 18, 23).

 

Diejenigen, die Hurerei (Unzucht) treiben, stehen unter einem schweren Urteil Gottes: „Weder die Unzüchtigen noch die Götzendiener noch die Ehebrecher noch die Weichlinge noch die Knabenschänder werden das Reich Gottes ererben“ (1. Korinther 6, 9-10). „Die Unzüchtigen und die Ehebrecher wird Gott richten“ (Hebräer 13, 4). „Draußen (in der Verdammnis) sind die… Unzüchtigen  und die Totschläger und die Götzendiener und jeder, der Lüge lieb hat und tut“ (Offenbarung 22, 15). Folgerungen: Nach diesen biblischen Grundlagen liegen die gesuchten Antworten auf der Hand. Das Zusammenleben unverheirateter Paare ist somit ebenso wie vor- oder außerehelicher Geschlechtsverkehr nach der Bibel als Hurerei zu bezeichnen und schließt vom Reiche Gottes aus, es sei denn, die Betreffenden wenden sich von diesem sündigen Leben ab und kehren um (vgl. Anhang, Teil I, Pkt. 10). Ab wann aber ist ein Paar verheiratet? Mit der zunehmenden Entfremdung unseres Volkes von den Geboten Gottes beobachten wir mehr und mehr, dass unverheiratete Paare zusammenziehen und in einem „eheähnlichen“, aber unverbindlichen Verhältnis leben. Sie sind dennoch nicht verheiratet, auch wenn manche keinen Unterschied zwischen ihrer Lebensgemeinschaft und einer Ehe sehen. Wie Gott solche Verhältnisse beurteilt, haben wir im vorangegangenen Punkt 5 bereits ausgesagt. Aus dem Zeugnis der Bibel entnehmen wir, dass die Ehe nicht damit beginnt,

 

·        wenn ein Paar beabsichtigt, den gemeinsamen Lebens weg zu gehen: Jakob wollte Rahel zur Frau haben. Als die vereinbarten sieben Jahre bis zur Heirat vorbei waren, sagte Jakob zu seinem Schwiegervater Laban: „Gib mir nun meine Braut, denn die Zeit ist da, dass ich zu ihr gehe“ (1. Mose 29, 21). Hiermit war die Geschlechtsgemeinschaft angesprochen. Zweierlei geht aus dem Textzusammenhang hervor: Vor der Ehe hat Jakob nicht sexuell mit Rahel verkehrt, und die Ehe galt ab dem öffentlichen Fest der Hochzeit.

·        wenn ein Paar Intimverkehr gehabt hat: Wenn in Israel ein Mann mit einem Mädchen geschlafen hatte, musste er es auch heiraten und – wie damals üblich – den Brautpreis zahlen (5. Mose 22, 28-29). Intime Beziehungen waren bis zur offiziell geschlossenen Ehe nicht erlaubt.

 

 

Definition für Ehebeginn: Eine Ehe gilt erst dann – auch vor Gott – als geschlossen, wenn sich Mann und Frau dem in der jeweiligen Gesellschaft üblichen offiziellen Ritual der Verheiratung unterzogen haben. Diese Definition ist an allen biblischen Beispielen von Hochzeiten nachvollziehbar. Hier finden wir folgendes biblische Auslegungsprinzip: Aus einer Fülle von Einzelereignissen wird das allen gemeinsame als eine biblische Lehre extrahiert. Ebenso ist diese Definition auf jeden entlegenen Stamm mit seinen eigenen, innerhalb dieser Gemeinschaft anerkannten Riten anwendbar wie auch für unseren Kulturkreis mit der Einrichtung des Standesamtes. Wichtig ist in allen Fällen, dass die Menschen der Umgebung in eindeutiger und offizieller Weise darum wissen, dass hier zwei Menschen in einer Ehe verbindlich zusammengehören. Sie stehen damit anderen nicht mehr zur Partnerwahl zur Verfügung. Wenn ein Mann eine verheiratete Frau (oder ein verheirateter Mann eine andere Frau und umgekehrt) ansieht, um sie (ihn) zu begehren, so wird er (sie) nach der Bergpredigt Jesu zum Ehebrecher (Matthäus 5, 28). Der Frau am Jakobsbrunnen sagte Jesus, dass der Mann, den sie hatte, nicht ihr (Ehe-) Mann war (Johannes 4, 18). Wäre sie durch öffentlichen Eheschluss mit ihm verheiratet gewesen, hätte Jesus nicht in dieser Weise mit ihr geredet. Die Bibel legt nirgends die äußere Form der Eheschließung fest, dennoch gibt es einen definierten Tag der Hochzeit, von dem an Mann und Frau offiziell zusammengehören. Zur Zeit Abrahams geschah dies anders (1. Mose 24, 67) als bei Simson (siebentägige Hochzeitsfeier: Richter 14, 10-30) oder zur Zeit Jesu (Hochzeit zu Kana: Johannes 2, 1-11). In der Bundesrepublik ist allein die standesamtliche Trauung die öffentlich-rechtlich anerkannte Form des Ehebeginns, die gemäß obiger biblisch abgeleiteter Definition auch vor Gott als Ehe gilt.

 

 

 Aufgrund des Opfertodes Jesu Christi bietet Gott allen Menschen die Vergebung der Sünden an. Warum gibt Gott nun nicht eine Generalamnestie für die Sünden aller Menschen?

 

Aufgrund des Kreuzestodes Jesu bietet Gott allen Menschen das Heil an, darum konnte Paulus auf dem Aeropag so allumfassend predigen: „Die Zeit der Unwissenheit zwar hat Gott übersehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun“ (Apostelgeschichte 17, 30). Es muss nun niemand mehr wegen seiner Sündenlast verloren gehen. Jeder Sünder kann begnadigt werden. Wenn sogar einem Paulus, der die Gemeinde Jesu ausrotten wollte, vergeben werden konnte, wie viel mehr jedem anderen auch. Von den beiden mit dem Herrn Jesus gekreuzigten Schächern wurde nur der eine gerettet, der mit seiner Schuld zu ihm kam. Der andere blieb in der Ablehnung und im Spott zu Jesus und damit auch in seinen Sünden. Daraus sehen wir: Gott verfügt keine Generalamnestie, sondern er handelt nach der freien Willensentscheidung jedes Einzelnen: „Das (ewige) Leben und den (ewigen) Tod habe ich euch vorgelegt, den Segen und den Fluch. So wähle denn das (ewige) Leben, damit du am Leben bleibst“ (5. Mose 30, 19; Menge). „Wisset wohl: ich (Gott) lasse euch die Wahl zwischen dem Wege, der zum (ewigen) Leben führt, und dem Wege zum (ewigen) Tode“ (Jeremia 21, 8; Menge). Wer die Vergebung wirklich sucht, dem wird sie auch trotz größter Verfehlungen zuteil: „Und wenn eure Sünde blutrot wäre…“ (Jesaja 1, 18). Zugespitzt können wir es auch so formulieren: Der Mensch geht nicht an der Sünde verloren, sondern an seinem Willen, d. h. an seiner Unbußfertigkeit. In Gottes Himmel gibt es einmal nur Freiwillige und keine Zwangseinquartierten.

 

 

 Gibt es einen Übergang von unbelebter Materie zu lebendigen Organismen?

 

Die frühere scharfe Trennung zwischen anorganischer und organischer Chemie hatte einen gewichtigen Grund: In der unbeeinflussten Natur entstehen organische Verbindungen nur durch Aktivität der Organismen. Mit dem Tod des Organismus setzt der umgekehrte Prozess ein: Die organischen Stoffe zerfallen in ihre anorganischen Bestandteile. Als der Chemiker F. Wöhler 1828 das eindeutig anorganische Ammoniumcyanat in die organische Verbindung Harnstoff umwandelte, war dieser grundsätzliche Unterschied nicht mehr gegeben. Durch zielstrebige und planvolle Tätigkeit ist man heute in der Lage, zahlreiche organische Verbindungen zu synthetisieren. Unabdingbar ist dabei die Kenntnis von Chemie und Verfahrenstechnik, kurz: der Einsatz von Geist. Betrachten wir nun die Lebewesen, so stellen wir fest, dass es auf der physikalisch-chemischen Ebene in Pflanzen und Tieren und beim Menschen keine Prozesse gibt, die den physikalischen und chemischen Vorgängen außerhalb lebender Organismen widersprechen. Die bekannten Naturgesetze haben auch hier ihre volle Gültigkeit. Zwischen unbelebter Materie und der Materie in Lebewesen gibt es somit keinen prinzipiellen Unterschied auf der Ebene von Chemie und Physik. Die neodarwinistischen Ansätze über die Entstehung erster Lebewesen in der Ursuppenatmosphäre gehen über diese Erkenntnis hinaus und behaupten, dass es einen verhältnismäßig glatten und unproblematischen Übergang von unbelebter Materie zu lebenden Organismen gibt. Ein lebendiger Organismus darf aber nicht verwechselt werden mit Materie in Lebewesen. Die Gesamterscheinung des Organismus wird nicht angemessen verstanden, wenn man sie nur unter dem Gesichtspunkt der isolierten Erklärbarkeit ihrer einzelnen Teile betrachtet.

Organismen enthalten als wichtige Zutat Information, jene geistige Größe, welche die Materie nicht von selbst erzeugen kann. Sie ist dafür verantwortlich, dass jedes Lebewesen auf eine bestimmte Gestalt hinstrebt und in der Lage ist, sich zu vermehren. In der unbelebten Natur gibt es das Prinzip Vermehrung (Reproduktion aufgrund eingeprägter Information) nicht. Information wird damit zum kennzeichnenden Kriterium, um einen lebenden Organismus von unbelebter Materie deutlich zu unterscheiden. Ebenso hat die Entstehung einer individuellen Gestalt – im Gegensatz zur Kristallbildung – nichts mit einer physikalisch-chemisch bedingten Strukturgesetzlichkeit zu tun. Bei dem Phänomen Leben handelt es sich um eine Qualität, die jenseits von Physik und Chemie liegt. Gerade die sogenannten Evolutionsexperimente, welche die Entstehung des Lebens als ein rein physikalisch-chemisches Phänomen belegen sollten, bestätigen unsere Aussage: Niemals kann Information in einem physikalisch-chemischen Experiment entstehen!

 

·        Bei den vielzitierten Miller-Experimenten konnten einige Aminosäuren, die Grundbausteine der Proteine, synthetisiert werden; Information ist jedoch nie entstanden. Damit liegt dieser Versuch außerhalb dessen, was man als Evolutionsexperiment bezeichnen könnte.

·        Der von M. Eigen entworfene Hyperzyklus ist ein reines Gedankenexperiment ohne die notwendige experimentelle Bestätigung. Mit Hilfe von sogenannten „Evolutionsmaschinen“ wollte Eigen die Evolution in den Stand des Experimentellen versetzen. Gegenüber „Bild der Wissenschaft“ (H. 8, 1988, S. 72) sagte er: „In einer unserer Maschinen haben wir Bakterienviren evolvieren lassen… Dieses Projekt hatte bereits Erfolg. In nur drei Tagen konnten wir eine Mutante isolieren, welche die entsprechende Resistenz aufwies. Das Beispiel zeigt, dass es möglich ist, den Evolutionsprozess im Labor nachzuahmen.“ Solche Aussagen erwecken den Eindruck, als wäre hier ein Evolutionsexperiment gelungen. In Wirklichkeit wurde von bereits vorhandenen Lebewesen ausgegangen. Auch hier ist keine neue Information entstanden, sondern mit vorliegender werden Versuche ausgeführt, die somit keine Aussage über die Entstehung von Information liefern.

 

Es gilt als bedeutsames Faktum festzuhalten: In keinem Laboratorium der Welt ist es je gelungen, aus unbelebten organischen Stoffen lebendige Organismen „herzustellen“. Dies ist um so beachtenswerter, als die Biotechnik mit dem Lebendigen zahlreiche Manipulationsmöglichkeiten entwickelt hat. Bezeichnenderweise setzt Biotechnik immer bereits bei Lebendigem ein und versucht es lediglich zu manipulieren. Offenbar ist die Kluft zwischen chemotechnischen Verfahren und der Biotechnik unüberwindbar. Ja, selbst wenn es eines Tages nach unermüdlicher Forschertätigkeit und Einsatz aller Kenntnisse möglich sein sollte, würde damit bewiesen: Leben ist nur durch Einsatz von Geist und Schöpfertätigkeit erklärbar. 

 

 

 Gibt es zwei sich widersprechende Schöpfungsberichte?

 

Die ersten beiden Kapitel der Bibel, aber auch zahlreiche andere Bibelteile befassen sich mit Aussagen zur Schöpfungsthematik. Alle Berichte ergänzen sich und vermitteln in ihrer Gesamtheit eine detaillierte Beschreibung des Schöpfungshandelns Gottes. Im Umgang mit der Bibel gibt es zwei generelle, nicht harmonisierbare Linien: eine bibeltreue und eine bibelkritische Haltung. Die Vorentscheidung für die eine oder andere Richtung geschieht nicht erst im NT beim Interpretieren der Auferstehung Jesu oder seiner Wunder; die Weggabelung für zwei völlig divergierende Arten von Schriftverständnis setzt bereits am Anfang der Bibel ein:

 

  1. Bibeltreue Auffassung: Der Schöpfungsbericht nach 1. Mose 1 und 2 (wie auch alle sonstigen Teile der Bibel, die gemäß 2. Timotheus 3, 16 unter göttlicher Anleitung verfasst wurden) ist nicht menschlich erdacht, sondern Gott selbst ist der Urheber dieser Information. Kein Mensch war Zeuge des Erschaffungshandelns Gottes, und so kann nur er uns durch Offenbarung mitteilen, wie und wie lange, in welcher Reihenfolge und nach welchen Prinzipien er geschaffen hat. In krassem Gegensatz dazu steht die folgende Leitidee:

 

  1. Bibelkritische Auffassung: Hiernach ist der Schöpfungsbericht in die Teile 1. Mose 1-2a und 2,4b - 2,25 aufzutrennen und verschiedenen menschlichen Autoren, dem Elohisten (junge Quelle) und dem Jahwisten (ältere Quelle), zu- zuschreiben, die in eigener Überlegung über die Herkunft der Welt und des Lebens nachgedacht haben. Nach dem babylonischen Exil wurden die Einzelteile zu einem Sammelwerk vereinigt. Man legt Wert darauf, Widersprüche und unterschiedliche Entstehungszeiten in beiden Berichten zu finden, um diese Zwei-Quellen-Hypothese zu stützen. Als die beiden Hauptargumente werden genannt:

 

a)     Die Berichte unterscheiden sich durch unterschiedliche Gottesnamen (Elohim, Jahwe).

b)      Die Texte widersprechen sich in der Reihenfolge der Erschaffung:  „Pflanzen – Tiere – Mensch“ im ersten Bericht und „Mensch – Pflanzen – Tiere“ im zweiten. Gegen diese beiden Stützen der bibelkritischen Hypothese sind gewichtige Einwände geltend zu machen:

 

Zu a): Gott offenbart sich in der Bibel als Vater, Sohn und Heiliger Geist mit mehr als 700 verschiedenen Namen (siehe auch Frage FG3), um uns seine zahlreichen Wesenszüge mitzuteilen. Unterschiedliche Gottesnamen verschiedenen Verfassern zuordnen zu wollen, – in Konsequenz der obigen Auffassung müssten es mindestens 700 sein – , ist eine willkürliche Unterstellung, die dem Gesamtzeugnis der Bibel nicht angemessen ist.

 

Zu b): Ab 1. Mose 2,4b beginnt nicht ein zweiter Schöpfungsbericht, der aus einer anderen Quelle stammt, sondern hier wird ein Detail, nämlich die Erschaffung des Menschen, ausführlich beschrieben. Es handelt sich um einen Parallelbericht zu 1. Mose 1 – 2,3 mit einer anderen Zielsetzung, und zwar dem leicht erkennbaren Aussageschwerpunkt „Wie, wo, in welcher Reihenfolge und in welcher Zuordnung zueinander und zum Schöpfer schuf Gott die beiden ersten Menschen?“ Auch bei anderen Berichten der Bibel finden wir die Erzählmethode, ein Ereignis zunächst chronologisch und im Überblick darzustellen und in einem zweiten Durchgang auf hervorzuhebende Details näher einzugehen. Es wird ausdrücklich gesagt (V8), dass Gott den Garten pflanzte. Das Anpflanzen eines Gartens setzt bereits geschaffene Pflanzen voraus. Nach dem Pflanzen „ließ der Herr aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume“ (V9); dies darf ebenfalls nicht mit einer Erschaffung der Bäume verwechselt werden. Die verwendeten Wörter „pflanzen“ und „aufwachsen“ sind im Gegensatz zu denen in 1. Mose 1 keine Schöpfungsverben, denn sie beschreiben Tätigkeiten, die von einem bereits vorhandenen Bestand ausgehen. Weiterhin ist die Interpretation von Vers 19 bedeutungsvoll: Betrachtet man diesen isoliert und leitet allein daraus eine Lehre ab (Verletzung von Auslegungsgrundsatz A4, siehe Anhang Teil II), so könnte man unterstellen, die Tiere seien nach dem Menschen erschaffen worden. Bedenkt man jedoch, dass 1. Mose 2, 7-25 äußerst stark anthropozentrisch (auf den Menschen hin) ausgerichtet ist, dann wird klar, dass es auch hier in Vers 19 nicht mehr um den Zeitpunkt der Erschaffung der Tiere geht, sondern um den Test der geistig-sprachlichen Fähigkeiten des gerade geschaffenen Menschen, wie er Tiere benennt. Der Nebensatz will nur darauf hinweisen, dass auch die nun vorgeführten Tiere – bemerkenswerterweise werden die Feldtiere besonders erwähnt, die ja vom selben sechsten Schöpfungstag wie der Mensch stammen – ebenfalls aus des Schöpfers Hand hervorgingen. Diesem Hintergrundwissen wird man in der deutschen Fassung dadurch gerecht, dass der hebräische Grundtext von Vers 19 in zwei verschiedene Zeitformen übersetzt wird (Tiere bringen und benennen im Präteritum, der 1. Vergangenheitsform; Tiere erschaffen im Plusquamperfekt, der 3. Vergangenheitsform, hier kursiv gedruckt): „Und Gott, der Herr, brachte alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels, die er aus dem Erdboden gebildet hatte, zu dem Menschen, um zu sehen, wie er sie nennen würde“ (1. Mose 2, 19).

 

 Glauben heißt ja nicht "wissen"; wie kommen Sie dazu, den Glauben als etwas Gewisses darzustellen?

 

Mit der Frage des Glaubens haben sich zahlreiche Denker befasst. Wir finden bei ihnen sehr unterschiedliche Positionen, die aber nicht das Ergebnis neutralen Denkens sind, sondern uns ihren persönlichen Standpunkt wiedergeben.

 

Kritische Standpunkte: Der Atheist Theo Löbsack vertritt die Auffassung: „Der Glaube verteidigt vorgefasste Überzeugungen und lehnt Erkenntnisse der Wissenschaft ab, wenn sie diesen Überzeugungen widersprechen. Damit ist der Fragen bezüglich des Lebens und des Glaubens Glaube auch letztlich der Todfeind der Wissenschaft."

 

Ähn­lich kritisch äußerte sich Kant: „Ich musste das Wissen auf­heben, um zum Glauben Platz zu bekommen." Mit dieser unbiblischen Auffassung wurde er zum Wegbereiter ver­schiedener Philosophieschulen, die dem Glauben diame­tral gegenüberstanden. Der Leitspruch an einer Wand der Neuen Oberschule in Norf bei Neuß „Vertraue keinem, der seinen Gott im Himmel hat", ist die letzte Konsequenz der kritischen Vernunft.

 

Positive Standpunkte: Von dem wohl größten Physiker aller Zeiten, Isaak Newton, stammt der Ausspruch: „Wer nur halb nachdenkt, der glaubt an keinen Gott; wer aber richtig nach­denkt, der muss an Gott glauben." Mit gleicher Gewissheit bezeugt der berühmte Mathematiker Blaise Pascal (1623-1662): „Wie alle Dinge von Gott reden zu denen, die ihn kennen und ihn enthüllen denen, die ihn lieben, so verber­gen sie ihn aber auch allen denen, die ihn nicht suchen und nicht kennen."

Die beiden gegenübergestellten Positionen belegen deut­lich, dass der Glaube nicht eine Funktion der Unwissenheit ist, sondern allein von der persönlichen Voreinstellung ab­hängt. Diese ändert sich nicht durch philosophische Refle­xionen, sondern allein in der Hinkehr zu Jesus Christus, welche die Bibel als Bekehrung bezeichnet. Dem nichtbekehrten Menschen sind Fragen des Glaubens eine Torheit (1. Korinther 1, 18), und er kann sie nicht verstehen (1. Korinther 2, 14). Der von Christus erfasste Mensch jedoch wird in alle Wahrheit ge­leitet (Johannes 16, 13), sein Glaube hat ein festes Fundament (1. Korinther 3, 11), und sein Glaube ist etwas äußerst Gewisses:

„Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht" (Hebräer 11, 1).

 

 Hat Gott das Böse geschaffen?

 

Im ersten Johannesbrief lesen wir, „dass Gott Licht ist, und in ihm ist keine Finsternis“ (1. Johannes 1, 5). Gott ist der absolut Reine und Vollkommene (Matthäus 5, 48), und die Engel bekunden: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth“ (Jesaja 6, 3). Er ist der „Vater des Lichts“ (Jakobus 1, 17), und so kann das Böse niemals von ihm kommen. Die Herkunft des Bösen bringt die Bibel in Zusammenhang mit dem Fall Satans, der einst ein Cherub, ein Lichtengel, war und „gleich dem Allerhöchsten“ (Jesaja 14, 14) sein wollte. In Hesekiel 28, 15ff ist sein Stolz und Fall beschrieben: „Du warst ohne Tadel in deinem Tun von dem Tage an, da du geschaffen wurdest, bis dich deine Missetat gefunden hat. Denn du bist inwendig voll Frevels geworden vor deiner großen Hantierung und hast dich versündigt. Darum will ich dich entheiligen von dem Berge Gottes und will dich ausgebreiteten Cherub aus den feurigen Steinen verstoßen. Und weil sich dein Herz erhebt…, darum will ich dich zu Boden stürzen.“ Dadurch, dass das erste Menschenpaar auf die Versuchung einging, gerieten sie selbst unter die Knechtschaft der Sünde. Das Böse hatte somit Eingang in diese Schöpfung gefunden. Offenbar ist dem Satan hierdurch der Herrschaftseinbruch in diese Welt gelungen: „Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel“ (Epheser 6, 12). 

 

 Hat Jesus wirklich gelebt? Ist er Gottes Sohn?

 

Die Ankündigung des Kommens Jesu in diese Welt gehört zu den markantesten prophetischen Aussagen. In detaillierter Weise sagt das AT seinen Geburtsort Bethlehem (Micha 5, 1 \ Lukas 2, 4), seine Abstammungslinie (2. Samuel 7, 16 \ Matthäus 1, 1-17), die gleichzeitige Sohnschaft Gottes (Psalm 2, 7; 2. Samuel 7, 14 \ Hebräer 1, 5) und des Menschen (Daniel 7, 13 \ Lukas 21, 27), sein Wirken (Jesaja 42, 7 \ Johannes 9), den Grund seiner Sendung (Jesaja 53, 4-5 \ Markus 10, 45), den Verrat an ihm für 30 Silberlinge (Sacharja 11, 12 \ Matthäus 26, 15), sein Leiden und Sterben am Kreuz (Psalm 22 \ Lukas 24, 26) sowie seine Auferstehung (Hosea 6, 2 \ Lukas 24, 46) voraus. Durch den deutlichen Abstand von 400 Jahren zwischen dem letzten Buch des AT und der neutestamentlichen Zeit bekommen die erfüllten Prophetien auf Christus ihr besonders eindrückliches Gewicht hinsichtlich der oben gestellten Frage. Auch außerbiblische Quellen bezeugen das Leben Jesu, wie z. B. der römische Historiker Tacitus, der römische Hofbeamte Sueton unter dem Kaiser Hadrian, der römische Statthalter von Bithynien in Kleinasien, Thallus u. a. Beispielhaft sei hier ein Zitat des bekannten jüdischen Geschichtsschreibers Flavius Josephus (geb. 37 n. Chr.) genannt: „Um diese Zeit lebte Jesus, ein weiser Mensch, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen darf. Er war nämlich der Vollbringer ganz unglaublicher Taten und der Lehrer aller Menschen, die mit Freuden die Wahrheit aufnahmen. So zog er viele Juden und auch viele Heiden an sich. Er war der Christus. Und obgleich ihn Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestod verurteilte, wurden doch seine früheren Anhänger nicht untreu. Denn er erschien ihnen am dritten Tage wieder lebend, wie gottgesagte Propheten dies und tausend andere wunderbare Dinge von ihm vorher verkündigt hatten.“ (Jüdische Altertümer XVIII.3.3) Gott selbst bestätigt Jesus als seinen Sohn (bei der Taufe: Matthäus 3, 17; auf dem Berg der Verklärung: Markus 9, 7), und der Engel kündigt seine Geburt als Sohn des Allerhöchsten an (Lukas 1, 32). Der Herr Jesus bekennt sich im Verhör vor dem Hohen Rat, dem höchsten Regierungs- und Richterkollegium in Israel (= die Hohenpriester, Ältesten und Schrift- gelehrten) unter Vorsitz des Hohenpriesters Kaiphas (Matthäus 26, 63-64; Markus 14, 61-62; Lukas 22, 70) als Gottes Sohn. Ebenso bezeugen die unterschiedlichsten Männer und Frauen der Bibel Jesus als den Sohn Gottes:

 

  • Petrus: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn“ (Matthäus 16, 16).
  • Johannes: „Wer nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott“ (1. Johannes 4, 15).
  • Paulus: „Ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes“ (Galater 2, 20).
  • Martha aus Bethanien: „Ich glaube, dass du bist Christus, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist“ (Johannes 11, 27).
  • Nathanael: „Rabbi, du bist Gottes Sohn!“ (Johannes 1, 49).
  • Der römische Hauptmann bei der Kreuzigung: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen“ (Matthäus 27, 54).
  • Der äthiopische Finanzminister: „Ich glaube, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist“ (Apostelgeschichte 8, 37).

 

Auch der Teufel weiß um Jesu Sohnschaft Gottes (Matthäus 4, 3+6), und die Dämonen müssen ihn als den Sohn Gottes anerkennen (Matthäus 8, 29). Dass Jesus der Sohn Gottes ist, war damals den Pharisäern und Hohenpriestern (Markus 14, 53-65) und auch dem aufgewiegelten Volk (Johannes 19,7) ein Anstoß, und ist bis heute Juden und Moslems ein Dorn im Auge. Er kann aber nicht unser Retter und Heiland sein, wenn er nur „Bruder“ (Schalom Ben Chorin), „Sohn unter Söhnen“ (Heinz Zahrnt), ein guter Mensch oder ein Sozialreformer war, sondern nur dadurch, dass er wirklich der Sohn des lebendigen Gottes ist (Matthäus 16, 16).

 

 Hat nicht Gott schuld an allem?

 

Als Gott den Adam nach dem Sündenfall zur Rechenschaft zog, verwies dieser auf Eva: „Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum“ (1. Mose 3, 12). Als Gott dann die Frau ansprach, wies auch Eva von sich weg: „Die Schlange betrog mich also, dass ich aß“ (1. Mose 3, 13). Bezüglich unserer Schuld haben wir ein merkwürdiges Verhalten: Wir weisen immer von uns ab, bis wir letztlich Gott zum Schuldigen erklären. Nun aber geschieht das Unvorstellbare: In Jesus nimmt Gott alle Schuld auf sich: „Denn Gott hat den (= Jesus), der von keiner Sünde wusste, zur Sünde gemacht“ (2. Korinther 5, 21). Das Gericht Gottes über die Sünde der Welt entlädt sich auf den Sohn Gottes. Ihn trifft der Bannstrahl mit voller Schärfe; das ganze Land verfinstert sich für drei Stunden, er ist wirklich von Gott verlassen. „Er hat sich selbst für unsere Sünden gegeben“ (Galater 1, 4), damit wir frei ausgehen können. Das ist das Manifest der Liebe Gottes. Eine bessere Botschaft als das Evangelium gibt es nicht.

 

 Im Hochleistungssport werden ständig verbesserte Leistungen erbracht, die vorher nicht möglich waren. Ist das nicht auch ein Hinweis auf Evolution?

 

In einem Abschlussbericht zur XXIV. Olympiade in Seoul schreibt die „Braunschweiger Zeitung“ vom 3. 10. 1988:

„Den Glanz erhielten die Spiele durch 38 Weltrekorde. Die Grenzen menschlichen Vermögens wurden in der südkoreanischen Metropole neu definiert. Das Elend personifiziert sich in dem Namen des ehrlosen kanadischen Sprinters Ben Johnson, der nach seinem Weltrekordlauf zum Olympiasieg als Betrüger entlarvt wurde. Nur zehn Fälle unerlaubter Leistungsbeeinflussung vermochte das IOC bis zum Sonntag aufzudecken. Doch die Dunkelziffer ist weitaus größer. So liegt über vielen Höchstleistungen von Seoul der Schatten des Zweifels. – Die Spiele brachten große Athleten hervor: Die sechsfache Schwimm-Olympiasiegerin Kristin Otto aus Leipzig, der mit fünf Goldmedaillen geschmückte amerikanische Schwimmer Matt Biondi, der russische Turn-König und Vierfach-Sieger Wladimir Artemow, der amerikanische Leichtathletik-Superstar Florence Griffith-Joyner mit ihren Sprint-Triumphen über 100 m, 200 m und in der Staffel. In die Ahnen-Galerie der Olympia-Größen gehört ohne Zweifel auch Steffi Graf, die mit ihrem Olympiasieg den „Golden Slam“ vollendete und damit eine Jahrhundert Leistung vollbrachte.“

In der Tat, die Weltrekorde im Hochleistungssport werden ständig verbessert. Auch wenn man die Dopingfälle abzieht, ist eine Leistungssteigerung erkennbar. Dabei ist allerdings zu bedenken: Die erbrachten Rekorde sind das Ergebnis intensiver Sportforschung und die Umsetzung in strapaziöse Trainingsmethoden. Die antrainierten Höchstleistungen sind nicht vererbbar. Wird das Training beendet, so können diese Leistungen nicht aufrechterhalten werden. Im Evolutionssystem braucht man jedoch einen Mechanismus, der von Generation zu Generation selbsttätig eine Verbesserung bringt. Nach evolutionistischer Vorstellung sollen Mutation und Selektion die Antriebsräder der Höherentwicklung sein. Diese sind aber weder planmäßig noch zielstrebig. Es herrscht vielmehr ein anderes Gesetz in der Materie: das Gesetz der Trägheit, der Passivität, der Energieentwertung und der Tendenz zur Nivellierung. Leben aber ist immer – bis in den Feinbau der Makromoleküle – mit Planmäßigkeit verbunden. Niemand wird bezweifeln, dass dem Bau unserer heutigen Computer ein aufwendiger Plan zugrunde liegt. Aber selbst die komplexesten Rechnerarchitekturen sind nur ein Kinderspielzeug im Vergleich zu dem, was in jeder lebendigen Zelle arbeitet und somit in höchstem Grade planmäßig ist.

 

 Ist das ein Gott der Liebe, wenn er all die Not in dieser Welt zulässt? Warum lässt Gott das Leid zu?

 

Vor dem Sündenfall gab es weder Tod noch Leid, weder Schmerz noch irgend etwas von dem, was uns heute so viel Mühe macht. Gott hatte alles so gestaltet, dass der Mensch unter idealen Bedingungen leben konnte. In freier Entscheidung ging der Mensch eigene Wege, die von Gott wegführten. Warum Gott uns einen so weiten Freiheitsradius zubilligt, können wir nicht erklären. Wir stellen aber fest: Wer von Gott weggeht, gelangt ins Elend. Diese bittere Erfahrung machen wir bis zum heutigen Tag. Manche Menschen sind dazu geneigt, Gott die Schuld zuzuschieben. Dabei sollten wir bedenken, dass nicht Gott, sondern der Mensch der Verursacher ist. Wenn wir des Nachts auf der Autobahn das Scheinwerferlicht ausschalten und es so zu einem Unfall kommt, dürfen wir nicht dem Autohersteller die Schuld geben. Er hat die konstruktiven Vorgaben für die Beleuchtung gegeben; wenn wir sie willentlich abschalten, ist das allein unsere Sache. „Gott ist Licht“ (1. Johannes 1, 5), und wenn wir uns in die Finsternis der Gottesferne begeben, dürfen wir uns nicht bei dem Schöpfer beklagen, der uns doch für seine Nähe geschaffen hat. Gott ist und bleibt ein Gott der Liebe, denn er hat Unvorstellbares getan: Er gab seinen eigenen Sohn dahin, um uns aus unserer selbstverschuldeten Situation freizukaufen. Jesus sagt von sich in Johannes 15, 13: „Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.“ Gibt es eine größere Liebe? Nie ist etwas Größeres für den Menschen vollbracht worden als in der Tat auf Golgatha: Das Kreuz ist somit der Höhepunkt göttlicher Liebe. Wir leben alle – ob gläubig oder ungläubig – in der gefallenen Schöpfung, in der das Leid in all seinen uns wohlbekannten Ausprägungen genereller Bestandteil ist. Nicht deutbar bleibt für uns das individuelle Leid. Warum geht es dem einen gut, und der andere ist durch Not und schwere Krankheit hart geschlagen? Oft muss der Gläubige sogar mehr leiden als der Gottlose, wie es der Psalmist feststellt: „Denn es verdross mich der Ruhmredigen, da ich sah, dass es den Gottlosen so wohl ging. Denn sie sind in keiner Gefahr des Todes, sondern stehen fest wie ein Palast. Sie sind nicht im Unglück wie andere Leute und werden nicht wie andere Menschen geplagt“ (Psalm 73, 3-5). Er findet aber auch die rechte Einordnung seiner individuellen Not, die er nicht als Strafe für eigene Sünde ansieht. Er hadert nicht mit Gott, sondern klammert sich fest an ihn: „Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei deiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich endlich mit Ehren an… Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil“ (Psalm 73, 23-24+26).

 

 

 In welcher Beziehung stehen Gott und Jesus zueinander? Ist das eine Person, oder wer von ihnen ist höher? Zu wem sollen wir beten?

 

Gott ist mit unserem Denken nicht zu erfassen. Er ist überräumlich, überzeitlich und unausforschlich, darum sind uns alle bildhaften Vorstellungen von ihm schon im 1. Gebot untersagt. Gott hat sich dennoch „nicht unbezeugt gelassen“ (Apostelgeschichte 14, 17); er hat sich uns offenbart. Er ist der Eine und zugleich der Dreieine.

 

  1. Gott ist der Eine: Es gibt keinen anderen Gott als nur den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs (2. Mose 3, 6): „Ich bin der Erste, und ich bin der Letzte, und außer mir ist kein Gott“ (Jesaja 44, 6). „Vor mir ist kein Gott gemacht, so wird auch nach mir keiner sein. Ich, ich bin der Herr, und ist außer mir kein Heiland“ (Jesaja 43, 10-11). Darum lautet das Gebot: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“ (2. Mose 20, 3). Die Gottesvorstellungen in allen Religionen sind nichtig: „Denn alle Götter der Völker sind Götzen“ (Psalm 96, 5); sie „sind Wind und eitel“ (Jesaja 41, 29).

 

  1. Gott ist der Dreieine: Zugleich begegnet uns Gott als Einheit in drei Personen. Es handelt sich nicht um drei verschiedene Götter, sondern – wie es viele Stellen der Bibel belegen (z. B. 1. Korinther 12, 4-6; Epheser 1, 17; Hebräer 9, 14) – um einen Dreiklang von Willen, Tun und Wesen Gottes. Von diesem dreieinen Gott wird in dreifacher Weise in personaler Differenzierung geredet: – Gott, der Vater – Jesus Christus, der Sohn Gottes – der Heilige Geist. Im Taufbefehl nach Matthäus 28, 19 tritt dies am ausdrücklichsten und deutlichsten hervor. Der in der Bibel nirgends vorkommen- de Ausdruck der „Dreieinigkeit“ (Trinität; lat. trinitas = Dreizahl) ist der menschliche Versuch, dies göttliche Geheimnis mit einem Wort zu fassen. In Jesus wurde Gott Mensch: „Das Wort ward Fleisch“ (Johannes 1, 14). Gott wurde sichtbar, hörbar, tastbar (1. Johannes 1, 1) und im Glauben greifbar (Johannes 6, 69). Den Herrn Jesus hat Gott zu uns gesandt, und „ihn hat Gott für den Glauben hinge- stellt“ (Römer 3, 25). So steht Jesus in einer besonderen funktionalen Zuordnung für uns. Den rettenden Glauben haben wir nur, wenn wir an Jesus gläubig sind. Er ist für uns ans Kreuz gegangen, er hat unsere Schuld gesühnt, er hat uns teuer erkauft (1. Petrus 1, 18), und darum müssen wir ihn anrufen, um gerettet zu werden (Römer 10, 13). Durch Jesus haben wir Zugang zum Vater (Johannes 14, 6) und dürfen als Kinder „Abba, lieber Vater“ (Römer 8, 15) sagen. Jesus ist der Sohn Gottes, er ist mit dem Vater wesensgleich: „Ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10, 30), darum konnte er sagen: „Wer mich sieht, sieht den Vater“ (Johannes 14, 9). Thomas bekennt gegenüber dem Auferstandenen: „Mein Herr und mein Gott!“ (Johannes 20, 28). Die Gottheit Jesu und die Wesensgleichheit mit dem Vater kommen weiterhin durch folgende gleiche Titel und Tätigkeiten zum Ausdruck: Schöpfer (Jesaja 40, 28 \ Johannes 1, 3), Licht (Jesaja 60, 19-20 \ Johannes 8, 12), Hirte (Psalm 23, 1 \ Johannes 10, 11), Erster und Letzter (Jesaja 41, 4 \  Offenbarung 1, 17), Sündenvergeber (Jeremia 31, 34 \ Markus 2, 5), Schöpfer der Engel (Psalm 148, 5 \ Kolosser 1, 16), Anbetung durch Engel (Psalm 148, 2 \ Hebräer 1, 6). Die Gleichheit Jesu mit dem Vater betont auch Philipper 2, 6. Bei seiner Menschwerdung nahm er die Knechtsgestalt eines Menschen an. Hier stand er in der völligen Abhängigkeit und im Gehorsam zum Vater. Im Zusammenhang mit der Menschwerdung Jesu ist somit eine deutliche Rangfolge zwischen dem Vater und dem Sohn erkennbar: Wie der Mann das Haupt der Frau ist, so ist Gott Christi Haupt (1. Korinther 11, 3). Nun aber sitzt der Herr Jesus zur Rechten Gottes und ist das Ebenbild seines Wesens (Hebräer 1, 3). Der Vater hat dem Sohn alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben (Matthäus 28, 18), auch das Gericht hat er ihm übereignet (Johannes 5, 22), denn alles hat er unter seine Füße getan (1. Korinther 15, 27). Schließlich heißt es: „Wenn aber alles ihm (= Jesus) untertan sein wird, alsdann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles untergetan hat, auf dass Gott sei alles in allem“ (1. Korinther 15, 28). Der Heilige Geist begegnet uns ebenso als göttliche Person, jedoch in anderen Funktionen als der Sohn Gottes. Er ist unser Tröster (Johannes 14, 26) und Anwalt, er erschließt uns die Wahrheit der Bibel (Johannes 14, 17), er vertritt uns vor Gott mit dem rechten Gebet (Römer 8, 26), und ohne ihn können wir Jesus als unseren Retter und Herrn (1. Korinther 12, 3b) überhaupt nicht erkennen.

 

Gebet: Jesus hat seine Jünger und damit auch uns das Gebet zum Vater gelehrt (Matthäus 6, 9-13), und als der Apostel Johannes vor der Macht des Engels erschrocken zu Boden fällt und ihn anbeten will, wehrt der Bote Gottes entschieden ab: „Ich bin dein Mitknecht… Bete Gott an!“ (Offenbarung 22, 9). Ebenso ist das Gebet zu Jesus Christus nicht nur möglich, sondern seit seinem Kommen in diese Welt sogar geboten. Er selbst sagte den Jüngern: „Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen“ (Johannes 16, 24), und „Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun“ (Johannes 14, 14). Kolosser 3, 17 fasst all unser Reden und Tun – und damit auch das Gebet zu Christus – zusammen: „Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles in dem Namen des Herrn Jesus und danket Gott, dem Vater durch ihn.“ Jesus ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen (1. Timotheus 2, 5), und darum dürfen wir uns im Gebet an ihn wenden. Der erste Märtyrer, Stephanus, wird uns vorbildhaft als ein Mann „voll heiligen Geistes“ (Apostelgeschichte 7, 55) geschildert. Sein Gebet zu Jesus ist uns überliefert: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!“ (Apostelgeschichte 7, 59). Auch während der Erdenzeit wurde der Herr Jesus als Gott angebetet, und er akzeptierte dies: Der Aussätzige (Matthäus 8, 2), der geheilte Blindgeborene (Johannes 9, 38) und die Jünger (Matthäus 14, 33) fielen vor ihm nieder. Dies ist nach der Bibel der höchste Ausdruck der Anbetung und Huldigung. Für das Gebet an den Heiligen Geist (z. B. in dem Kirchenlied „Nun bitten wir den Heiligen Geist um den rechten Glauben allermeist“ von Berthold von Regensburg) finden wir in der Bibel jedoch keinen Hinweis.

Das Gebet kennt also nach der Bibel nur zwei Adressen: Gott der Vater und Jesus Christus, der Sohn Gottes. 

 

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